Umnyama - Land unter dem Regenbogen

Tagebuch der Internationalen Begegnung des VCP Land Baden mit den Scouts South Africa Mpumalanga vom 29.7. - 20.8.2013.

Das Tagebuch der Internationalen Begegnung vom 29.7. - 20.8.2013 zur Partner-Organisation des VCP Land Baden den Scouts South Africa Mpumalanga beschreibt Ausschnitte der Erlebnisse und Erfahrungen während der Fahrt. Vieles kann auch gar nicht in Worte gefasst werden. Der Erkenntnisgewinn für die Gruppe liegt vor allem in der Begegnung mit der Partnergruppe und allen anderen Pfadfinderinnen und Pfadfindern, denen sie begegnet sind bzw. an dessen Leben sie teilhaben konnten. Wie Lucy die Comissionar es an einem Campfire - Abend formuliert hat: "Pfadfinderinnen und Pfadfinder finden Freundschaft für das Leben". Nächstes Jahr findet das VCP-Bundeslager auf dem Schachen statt. Hoffentlich kommen die neu gewonnenen Freundinnen und Freunde auf einen Besuch vorbei.

Weitere Informationen zur Fahrt gibt es auf www.pfadileiter.de


Tagebuch Mo 29. - Di 30.7.2013 Flug Frankfurt-Dubai-Durban

Von den unterschiedlichen Orten in Baden starten 23 gut gelaunte Pfadis mit dem Zug zum Flughafen Frankfurt ihre Suedafrika-Tour. Vor dem Check In verstauen wir noch Töpfe, Zirkusmaterial und 15 Laptops in unser persönliches Gepäck. Das Flugzeug der Air Emirates hebt um 22.30 Uhr ab. Für einige ist es das erste Mal. Mit einigen Turbulenzen landet es um 6.00 Uhr (4.00 Uhr deutscher Zeit) morgends in Dubai. Das Frühstück findet bei Mc Donald, Starbucks... statt. Der Anschlussflug wird lang. Mit Schlafen und Filmen auf dem Bildschirm in der Kopstütze des Vordersitzes vertreiben wir uns die Zeit. Das Auschecken geht schnell, die Übernahme der 3 Toyota-Minibusse nicht. Bongani unser südafrikanischer Pfadfinder-Tourguide erwartet uns vor dem Ausgang und so sind wir komplett. In Hillcrest, einem Vorort von Durban, schaffen wir es um 20.50 Uhr noch schnell in einem Spar, Lebensmittel einzukaufen, 10 Minuten vor Geschäftsschluss. Unsere Unterkunft ist ein eingezäunten Zeltlagerplatz der 1st Hillcrest Scouts mit einem Haus, voll ausgestattet mit Duschen und Küche. Nach einem Rundgang über das Gelände, können wir endlich in unsere Schlafsäcke in einer Holzhütte auf dem Camp-Gelände und schlafen. Unsere erste Nacht in Südafrika.


Tagebuch Mi 31.7.2013 Durban - Indisches Viertel

Nach einem Frühstück mit Müsli, Obst und Joghurt und einer teilweise recht kalten Dusche erkunden wir Durban. Eine Moscheebesichtigung und ein Gang durch das indisches Viertel mit seinen Märkten stehen auf dem Plan. Bei der Parkplatzsuche bekommen wir einen Schreck: Ein unvorsichtiger Autofahrer fährt uns beim Ausparken eine Beule in unseren Toyota Quantum. Also warten wir gemeinsam auf die Polizei, die Bongani benachrichtigt hat. Ortwin muss im Anschluss wegen der Formalias den ganzen Nachmittag auf der Polizeiwache verbringen. In der Moschee kommen wir deshalb sehr verspätet an und können nur zwei Räume besichtigen. Es ist Ramadan und es soll bald ein Gebet stattfinden. Der indische Markt bot ein Durcheinander von Ständen verschiedenster Waren. Wir sind die einzigen Weißen im Stadtviertel und es ist uns etwas mulmig. In einer Mall (Einkaufscenter) versorgen wir uns mit Snacks (Wraps, Würstchen...) Da es schon um 17.30 Uhr dunkel wird fahren wir über die Straße an der Beachfront nach Hillcrest zurück. Noch ein letzter Blick auf das Meer. Morgen können wir sicher schwimmen gehen, aber für heute ist es genug: Noch etwas Kochen und dann in den Schlafsack.


Tagebuch Do 1.8.2013 Durban – Beachfront und Gandhi-Settlement

Unsere Abfahrt verzögert sich, da mehrere Security-Mitarbeitende auf unserem Gelände einen Affen fangen wollen. Das finden wir spannend, schauen zu und fahren etwas später. Am Strand in Durban ist es dann schon ein komisches Gefühl, mit dem Wissen zu baden, dass ja jetzt gerade Winter ist. Und das bei 25 Grad Lufttemperatur. Ein Picknick mit Blick auf den Indischen Ozean rundet unseren Aufenthalt an der Beachfront ab. Um 14.00 Uhr treffen wir uns mit Mrs. und Mr. Singh, einem älteren indischen Ehepaar. Sie bringen uns an mehreren Townships vorbei zum Gandhi-Settlement, das selbst in einem sehr armen Township liegt. Wir besichtigen das Museum und Mr. Sing stellt uns Gandhis Widerstand gegen die britische Regierung dar. In Durban Downtown erzählt uns Mr. Sing in einem anderen Museum etwas über den Widerstand gegen die Apartheid, über Sabotage und seinen eigenen Aufenthalt auf der Gefängnisinsel Robben Island. Das ist sehr erschöpfend, da wir sein Englisch auch nicht so gut verstehen. Währenddessen haben die Rover aus Hillcrest und Pietermaritzburg schon einen Eintopf (Potjekos) mit Mais, Kartoffeln und Fleisch für uns gekocht. Ganz festlich essen wir zusammen in der Scout-Hall und versammeln uns anschließend am Lagerfeuer zu einem Campfire-Abend. Nach der Versprechensfeier von Leah und Tobi, lernen wir neue Lieder „Big Banana... Big Banana“, lachen über Sketche und präsentieren selbst die Herzblatt-Show. Es ist schön, wie Pfadfinder aus zwei Kulturen so schnell zusammenkommen und lachen können. Mit „Wenn der Abend naht“ klingt der Abend aus. Es war ein sehr ereignisreicher und schöner Tag.


Tagebuch Fr. 2.8.2013 Vryheid – das Blood River Monument

Schon um 6.00 Uhr morgens werden wir aus den Schlafsäcken „geschmissen“. Es ist noch dunkel. So schaffen wir es nach Frühstück, packen und putzen um 9.00 Uhr in Richtung Vryheid abzureisen. Unseren ersten Stopp legen wir beim Mandela Monument ein, einem großen künstlerischen Gebilde, das Mandelas Kopf darstellt. Es steht an dem Ort, an dem er auf der Straße verhaftet wurde. Für einen weitere längere Rast bleibt keine Zeit und so verpflegen wir uns mit Keksen. Die letzte Wegstrecke zum Ncome Museum geht über eine bucklige Piste. Da sehen wir unsere ersten Wildtiere – Giraffen in einem abgesperrten Gelände. Mit Geschrei stürmen wir aus den Autos – die Tier sind verschreckt und entfernen sich. Die Gedenkstätte am Blood River mit einer riesigen Wagenburg aus lebensgroßen eisernen Planwagen und einem Museum in Form eines Stierschädels stellen die Schlacht der Zulus gegen die Buren am Blood River nach. Dabei prallen auch heute noch verschiedenen Ansichten unversöhnlich aufeinander. Mit einem großen „Loch“ im Magen und recht erschöpft erreichen wir Vryheid, wo wir in einem nicht ganz sauberen Hostel einer Schule untergebracht sind. Die dortigen Pfadfinder laden uns in die Halle eines kleinen Nationalparks zu Gegrilltem ein. An den Wänden hängen Tierschädel und in einem weiteren Raum gibt es eingelegte Schlangen. Die Mädchen und Jungen der Pfadfindergruppe freuen sich mit uns über den schönen Abend, an dem wir uns auch viel mit ihnen unterhalten. Die Gastfreundschaft ist einfach grandios!


Tagebuch Sa 3.8.2013 Vryheid – Nelspruit

Auf Anraten von Kevin, dem Leiter der 1. Vryheid Scouts frühstücken wir in Wimpys ein typisch englisches Fastfood-Gericht mit Rührei, Würstchen, Toast und Kaffee. Bei der Abfahrt springt einer der Minibusse erst nach mehreren Versuchen des Anschiebens und mit einem ausgeliehenen Starterkabel an. Die letzten 360 km nach Nelspruit führen uns durch hügeliges oft bewaldetes Land. Auf der Strecke sollen wir laut einem Warnhinweis nicht aussteigen, da hier eine erhöhte Kriminalität zu erwarten sei. Für eine Mittagspause nutzen wir eine etwas heruntergekommene Tankstelle mit einem angrenzenden Shop, vor dem eine Menge Menschen stehen. Bongani findet heraus, dass sie auf ihre Lohnzahlung warten, die sie an einem Schalter im Shop empfangen. Er meint, dass wir hier sicher seien und so können wir unser Mittagspicknick veranstalten und sogar noch Brot einkaufen. Schilder mit der Abbildung einer Kuh sollte man ernst nehmen, denn prompt stehen schon einige auf der Fahrbahn und versperren den Weg. Ansonsten fahren wir auf einer kilometerweit fast geraden Straße und kommen schnell vorwärts. Die kleinen Städte, die wir passieren, sind voll von Märkten und Straßenständen mit einem Gewusel von Menschen. In der Ferne sehen wir dann schon die Berge von Swaziland, überqueren eine Pass und nähern uns Nelspruit im Sonnenuntergang. Das Scout-Center liegt mitten einem Wohngebiet. Es ist ganz neu und mit Hilfe einer deutschen Stiftung gebaut. Wir staunen nicht schlecht, wie gut es ausgestattet ist. Hier können wir in bequemen Stockbetten schlafen, die Duschen sind warm und die Küche ist wie ein Großküche mit allem ausgestattet. Ein echter Luxus. Leonie und Patrick, zwei Freiwillige aus Deutschland, begrüßen uns und führen uns durch das Haus. Müde lassen wir den Tag ausklingen.


Tagebuch So 4.8.2013 Gospel-Gottesdienst und Partnergruppe

Es ist Sonntag und wir fahren in die Alliance Church der Kirchengemeinde von Bonganis Bruder nach Kabokweni. Vor der einfachen Kirche sind viele Autos geparkt und von innen hören wir schon den Gospelchor, der von einer Band begleitet wird. „We are proud, that you have chosen us.“ So wurden wir begrüßt und in den Kirchenraum geleitet, der mit Familien und älteren Menschen gefüllt ist. Schon bei den ersten Liedern wird in den Reihen getanzt. Die beiden jungen Frauen, die den Eingangsteil gestalten, stellen sich als MC (Master of Ceremonies) vor. Dann kommt die Pastorin nach vorne und beginnt singend zu beten. Die Predigt in Englisch und Zulu ist eine Abfolge von Geschichten, die alle um Jona und Jesu Stillung des Sturms kreisen. Für uns ist es eigentlich keine Predigt. Die Pastorin ruft, schreit, spielt Teile der Geschichte mit einzelne Mitgliedern des Chors vor. Vor allem, es wird viel gelacht. Dazwischen ein Halleluja, das von der Gemeinde mit Amen beantwortet wird. Und auch wir werden vorgestellt. Ortwin und Johannes begrüßen die Gemeinde und erzählen etwas von der Begegungsfahrt. Dass die deutschen Pfarrer nicht so tanzen und singen können, fanden sie besonders lustig. Wir alle waren von dem Gottesdienst beeindruckt und wünschen uns, dass es diese Intensität und Offenheit auch in unseren Gottesdiensten gebe.

In der Schule der Comissionar Lucy der Provinz Mpumalanga treffen wir uns mit unserer Partnergruppe. Ein gemeinsames Essen bereiten wir mit südafrikanischen und deutschen Gerichten vor. Der Speiseplan: Chakalaka, Milipap, Boerewors und Innereien; handgeschabte Spätzle mit Sahnegeschnetzeltem. Während das Wasser auf dem Gasherd langsam warm wird, gehen wir auf den Sportplatz und spielen Field-Cricket und Fußball, bis wir uns der Hitze wegen in den Schatten flüchten. In Gruppen sitzen wir zusammen und unterhalten uns. Es ist eine entspannte und offene Atmosphäre. Das Essen findet in einem Kreis unter einem Baum statt, mit einem Tisch in der Mitte voller Töpfe. Manche von uns kennen die südafrikanischen Gerichte schon von unserem letzten Landeslager mit der südafrikanischen Gastgruppe. In der schnell einbrechenden Dämmerung versammeln wir uns in einem Abschiedskreis und singen noch unser Abendlied „Wenn der Abend naht“. Lucy bringt es noch mal auf den Punkt, was wir ebenso fühlen: Bei den Pfadfindern finden wir Freunde fürs Leben, denn auch sie war schon 2004 auf unserem Landeslager zu Gast. In der Scout-Hall in Nelspruit reflektieren wir den Tag und bereiten uns auf unseren Einsatz im Waisenhaus in Zwelisha vor.


Tagebuch Mo 5.8.2013 Waisenhaus Kukhanya in Zwelisha 1. Tag

Unser erster Arbeitstag beginnt um 8.10 Uhr (nach afrikanischer Sprachweise eigthish), nachdem wir etwa eine Stunde auf der Schnellstraße Richtung Krugerpark International Airport und dann durch mehrere Townships gefahren sind. Das Waisenhaus liegt auf einem Hang neben einem sehr einfachen Kindergarten und mehreren bewohnten Rohbauten. Das Haus mit einem zentralen Aufenthalts- und Schulraum, einer Küche, einem Duschraum und mehreren Schlafzimmern für die Kinder haben zwei US-amerikanische Missionare gebaut. Das großzügige Gelände um das Haus besteht aus gestampfter rötlicher Erde, zwei Wassertanks und einem Klohäuschen. Charles und Dan begrüßen uns und erzählen, wie es überhaupt dazu kam. Sie wollten anfangs 6 Straßenkindern, die in einem einfachen Unterstand hausten, ein Zuhause bieten. Sie fanden eine Frau aus Simbabwe, Mama Lissy, die die Kinder versorgen und unterrichten sollte. Mittlerweile sind es 12 Kinder und Jugendliche. Unsere Aufgabe ist es, auf der Rückseite einen abgerutschten Abhang mit einer Mauer zu sichern und auf eine Ebene mit Erde aufzuschütten, das Haus komplett zu streichen und eine Art Terrasse um das Haus herum zu betonieren. Wir fangen sofort nach der Einweisung an und schon mittags können wir die ersten Ergebnisse sehen. Die Mauer wächst, die Wände haben eine Grundierung und der Platz vor dem Haus wird zusehends eben bzw. bekommt einen spatenbreiten Graben für die Betonierung. Den ganzen Tag fährt Dan mit seinem kleinen Schaufellader und bringt immer neue Erde zur Mauer. Wir schwitzen schon richtig, während wir die Kinder, die aus der Schule kommen noch die Pullis ihrer Schuluniform tragen. Zuerst beäugen sie uns noch etwas vorsichtig, doch bald fassen sie uns an den Händen oder wollen auf den Arm genommen werden. Wir beenden unsere Arbeit um 15.00 Uhr, damit wir noch Zeit haben, den Kindern die Zirkusmaterialien zu zeigen, die wir ihnen mitgebracht haben. Sie stellen sich alle um Joanna, die selbst in einem Jugendzirkus aktiv ist und ihnen die Devil-Sticks, die Jonglier-Bälle und die Keulen vorführt. Neugierig probieren sie es selbst aus und haben auch schon die ersten Erfolge, auch wenn der ein oder andere Ball auf den Boden fällt. Wir bemerken, dass auch die Nachbarschaft uns bestaunt. Selbst die Gesundheitsministerin der Provinz Mpumalanga wird auf uns aufmerksam und kommt von einem Verwaltungservice-Bus einer nahegelegenen Schule auf ein paar Worte zu uns hinüber. Wir sind anscheinend eine wirkliche Attraktion. Dan und Charly loben uns noch einmal fast überschwänglich, was für einen guten Job wir machen würden und so fahren wir zufrieden, aber auch geschafft von der körperlichen Arbeit nach Nelspruit zurück. Mit Kochen, Bilder sortieren, Singen und Ausspannen verbringen wir den Abend.


Tagebuch Di 6.8.2013 Waisenhaus Kukhanya in Zwelisha 2. Tag

Das frühe Aufstehen macht etwas Mühe, aber wir sind motiviert für den zweiten Arbeitstag. Die Wände erhalten einen graugrünen dunklen Anstrich und mittags hat die Mauer ihre Sollhöhe erreicht. Charles hat einen Betonmischer gemietet, den Phil, Tobi und Alex mit Kiesel, Zement und Wasser füttern. Nachdem die vordere Terrasse mit Balken eingefasst ist, wird der angemischte Beton mit Schubkarren angeliefert, auf der Fläche ausgeleert, gleichmäßig verteilt und glatt gestrichen. Derweil sind die anderen Terrassenteile mit Schaufeln, Pickeln und Hacken schon planiert und für die Betonierung vorbereitet. Wir staunen, wie viel mit unserer Arbeitskraft möglich ist. „You're awesome“, meint Charles und möchte unserer Organisation eine E-Mail über unseren guten Einsatz schreiben. „Dann kannst du sie ja Ortwin schicken,“ meint eine unserer Gruppe mit einem Grinsen. Der Betonmischer gibt zwischendurch seinen Geist auf, worauf ein Servicemitarbeiter der Leihfirma vorbeikommt, leider ohne Werkzeug. Charles bringt ihm einen Schraubenzieher mit dem Kommentar: „That's Africa.“ Mittlerweile kommen und auch eigene Ideen für die Gestaltung. Wir könnten doch oberhalb des Hauses noch eine Garten anlegen. Die Erde wurde doch schon abgetragen. Jana will gar einen Baum pflanzen. Pragmatisch und voller Energie ebnet Charles mit seinem Schaufellader die Erde ein und Johannes beginnt mit einem Team die Gartenfläche einzurichten. Auch die Grube für den Baum ist schon ausgebaggert und gewässert. Den Baum sponsert Charles Nachbar und wird morgen angeliefert. Es geht alles so unfassbar schnell. Heute ist schon um 15.00 Uhr Schluss. Wir müssen uns ja noch Arbeit für morgen aufheben. Wir freuen uns über die gewonnene Zeit. Mama Lissy verabschiedet uns mit einem „We love you all“. Dann heißt es: Schnell umziehen und ab in die Riverside Mall zum Einkauf: Souvenirs, CD's und Postkarten landen in den Einkaufstaschen, natürlich auch die Lebensmittel für die Pfannkuchen am Abend und das Vesper am nächsten Tag.


Tagebuch Mi 7.8.2013 Waisenhaus Kukhanya in Zwelisha 3. Tag

Heute ist ausschlafen angesagt, da Charles für uns erst um 9.30 Uhr Arbeit hat. Dafür geht mitten in der Nacht die Alarmanlage los, aus unerfindlichem Grund. Die Security kommt zu Sicherheit dennoch vorbei. Wir sehen die Lichter ihrer Taschenlampen durch unsere Fenster. Als wir zur besagten Zeit in Zwelisha unsere Busse ausladen bemerken wir, dass die dafür zuständige Gruppe kein Wasser eingeladen hat. Sven und Ortwin kaufen in einem örtlichen sogenannten Supermarkt, einem Laden mit ein paar einfachen Baumarktregalen ein paar Flaschen Softdrinks, für jeden aber nur einen halben Liter. Saft war ja noch etwas da. So müssen wir unser Trinken rationieren, auch eine Erfahrung. Die Betonmaschine läuft fasst den ganzen Tag. Mehrere Mauern werden gesetzt, der Boden davor abschüssig angelegt, dass das Wasser bei starkem Regen auch gut ablaufen kann. Auch die Fenster erhalten einen neuen Anstrich und die Feuerstelle, die der Müllverbrennung dient, ist gemauert. Am Tag sammeln sich dort die ersten Abfälle. Johannes legt noch einen Kompost an. Aber manchmal geht es auch zu schnell. Als wir die Lücke hinter der frisch angelegten Mauer mit Erde auffüllen, gibt sie etwas nach. Wir hoffen, dass sie dennoch hält. Am Nachmittag erhalten wir Besuch von den beiden Freiwilligen Leonie und Patrick, die von Lucy der Commisionar begleitet wird. Um 16.00 Uhr fahren wir wieder und uns wird schmerzlich bewusst, dass wir nur noch einen weiteren Tag im Waisenhaus verbringen werden. Die Menschen sind uns schon ans Herz gewachsen. Wir würden alle gerne noch länger bleiben, da wir uns doch gerade erst eingelebt haben.

Für unsere Fahrt ist in etwa Halbzeit und so beschließen wir im oberen Aufenthaltsraum des Scout-Center in der eingebauten Feuerstelle zu grillen, so richtig mit Fleisch, dass es bei uns nicht gibt. Im Supermarkt finden wir dann aber nur Straußenfleisch und sehr lecker eingelegte Hähnchenspieße mit Mango-, Chili- oder Lemon-Marinade, aber kein Kudu- oder Krokodilfleisch. Dazu schlemmen wir mit Ofenkartoffeln, selbstgemachtem Chakalaka, einem Currry-Bohnen-Gemüse, und exotischen Grillsaucen. Für die Südafrikaner ist das Braii genannte Barbeque so etwas wie ein Volkssport. Wir verhalten uns also ganz landestypisch.


Tagebuch Do 8.8.2013 Waisenhaus Kukhanya in Zwelisha 4. Tag

Richtig pünktlich kommen wir im Waisenhaus an, aber von Charles und Dan keine Spur. Wir besichtigen die Baustelle und besprechen, was wir ohne unsere beide Anleiter tun können. Einige streichen noch die Fensterrahmen braun, die anderen ebenen die „Rampe“ vom Wassertank zum Haus ein. Dann hören wir sie auch schon mit ihrem LKW anrumpeln. Charles entschuldigt sich für die Verspätung: „Ein Mitarbeiter kam morgens zu mir, um mehr Lohn zu fordern.“ Er hat außerdem einen Arbeiter seiner Farm mitgebracht: „Heute machen wir den Beton afrikanisch ohne Betonmischer. Das geht schneller.“ Das war dann auch das Signal zur Wiederaufnahme der Arbeit. Unter Anleitung schaufeln wir 12 Schubkarren voll Sand und Kies auf eine Haufen, verteilen darauf 2 Sack Zement und durchmischen es. Daraufhin schieben wir das Material in der Mitte wieder auseinander und bilden eine Kuhle, in die wir Wasser hinein gießen. Der Mischvorgang erfolgt mit der Schaufel. Lea und Jana fahren Schubkarre um Schubkarre zum Wassertank vor dessen Fundament noch eine kleine Plattform betoniert wird, von welcher der Weg zum Haus führt. „Heute könnt ihr mittags Schluss machen. Wir haben dann keine Arbeit mehr für euch“, meint Charles und wir freuen uns natürlich darüber. Um 17.00 Uhr sind wir ja schon wieder zu einem Campfire in Kabokweni eingeladen. Natürlich putzen wir noch den Klassenraum, der durch unsere Arbeitsschuhe stark verdreckt ist, waschen die Schubkarren und Schaufeln ab und beginnen, uns zu verabschieden. Die ersten Tränen rollen über die Gesichter. Besonders diejenigen, die viel mit den Kindern unternommen haben, sind gerührt und haben gerötete Augen. Wir tauschen noch E-Mail-Adressen und Facebook – Namen aus und versammeln uns zu einem Abschlusskreis. Selbst Charles überkommt die Rührung als er uns mit der Bibel in der Hand noch eine Predigt über einen Text im Matthäus-Evangelium hält:Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Mama Lissy bedankt sich noch einmal ganz herzlich bei uns und erzählt noch etwas aus ihrem recht traurigen Leben, das sie schlussendlich zu diesen Waisenkindern geführt und wie Missgunst in der Ortsgemeinde das Projekt gefährdet hat. Mittlerweile wird sie von dem zuständigen Häuptling unterstützt und steht damit auch unter seinem Schutz. Dan filmt die ganze Zeit vom Blechdach aus. Gemeinsam singen wir wie bei uns üblich das Abschlusslied: Nehmt Abschied Brüder und dann ist er da, der Abschied. und er fällt uns nicht leicht.

Im Scout-Center in Nelspruit nutzen wir die Zeit, um uns frisch zu machen, die Kluft über zu ziehen und das Material für den Siebdruck zusammenzustellen. Der Zeitplan ist wie immer etwas eng. Als wir in der Schule in Kabokweni ankommen, sehen wir schon viele Kinder in Wölflingstracht herumlaufen. Wir sind überrascht, da wir nur mit ein paar Rovern gerechnet haben. Und sie haben alle T-Shirt dabei. Sie möchten unser Tourlogo auf ihr Shirt gedruckt bekommen. Gott sei Dank hat Johannes die nötige Erfahrung und so steigen wir in die „Massenproduktion“ ein. Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt das Campfire. Wir sitzen auf Holzblöcken um das Lagerfeuer herum und es beginnt ein buntes Programm mit Sketchen, kleine Chorgesängen, Animationen, die z.T. auch wir liefern. Der Abend endet mit einem etwas improvisierte kleinen Essen. Wir hatten ja noch unsere restliches Fleisch von Braii des Vorabends mit Chakalaka und Saucen. Bongani kauft noch ganze gegrillte Hähnchen called "Chicken Dust" und ein paar Pommes. Ein Abend voller Lebensfreude.


Tagebuch Fr 9.8.2013 Woman's Day und Treffen mit den Gastfamilien

An diesem südafrikanische Feiertag werden die Mädchen und Frauen in unserer Gruppe beim Frühstück so richtig verwöhnt. Sven, Tobi, Ortwin und Johannes kaufen für ein ordentliches englisch-südafrikanisches Frühstück mit Baked Beans, Eiern und Bacon ein. Dazu natürlich den üblichen Toast, Joghurt, Früchte, Erdnussbutter... Ihnen scheint's zu gefallen, denn sie bedanken sich hinterher sehr für diese gute Idee. An diesem Morgen bleibt Zeit, Postkarten zu schreiben, die nächsten Tage vorzubereiten oder einfach, um auszuschlafen. Es tauschen immer mal wieder Fragen nach der Verteilung auf die Gastfamilien auf, die wir um 14.00 Uhr in der Schule von Kabokweni treffen werden. Dort angekommen haben wir dann ebenfalls noch einige Zeit. Die Gastfamilien treffen nach und nach ein. In unseren Bussen bringen wir alle zu dem entsprechenden Wohnort in sehr unterschiedliche Gebiete. Bongani nimmt Johannes und Ortwin zu sich nach Hause mit. In einem einfachen Haus lebt er dort mit seinen Eltern (Lucy ist seine Mutter), seiner Frau Nelly, seinem Sohn und seiner 2-jährigen Nichte Sandiswa. Der Abend beginnt mit Chakalaka, Hühnchen und Milipap (Maisbrei) vor dem Fernseher, in dem gerade amerikanische Serien laufen, während wir uns über seine Lebensverhältnisse unterhalten. Sein Bakkie (Pickup) steht noch im Car Wash, einem Wellblech überdachten Platz, auf dem die Autos gegen Entgeld gewaschen werden. Einen Umweg nehmend zeigt uns Bongangi noch den Gemüsegarten und die angrenzende Kirche, die er und sein Vater, ein Pastor, vor Jahren zusammen gebaut haben. Nach Streitigkeiten musste er leider sein Amt in der Gemeinde aufgeben. Beim Car Wash wundern sich die jungen Männer sehr als Johannes und Ortwin auf der Ladefläche Platz nehmen, obwohl noch ein Sitz in der Fahrerkabine frei ist. Denn: Draußen ist es recht kalt geworden. Für die Nacht teilen sie sich ein Doppelbett und sind sehr auf den morgigen Tag gespannt. Was wohl die anderen alle gerade erleben oder erlebt haben?


Tagebuch Sa 10.8.2013 Ein Tag in der Gastfamilie

Auf ausgewaschenen mit Schlaglöchern versehenen ungeteerten Straße rumpeln wir mit unseren Toyotas durch die Quartiere von Kabokweni und einigen anderen Ortschaften Richtung Zwelisha, um unsere Gruppe wieder einzusammeln. Von weitem sehen wir schon eine Tanzgruppe in Pink, die auf dem Vorplatz des Hauses einen traditionellen Tanz aufführt, Ines, Carlotta, Anna und Franzi mittendrin. Sie versuchen den schnellen Drehungen und Schritten der tanzenden Frauen zu folgen. Die Verabschiedung von der Gastfamilie ist sehr herzlich. Nachdem sich die Busse füllen und wir an unserem Treffpunkt vor der Schule ankommen, hören wir schon die ersten Geschichten. Sven und Julia nahmen mit ihrem Gastgeberpaar an einer christlichen Paar-Selbsthilfegruppe teil, die ihre Probleme und Anliegen im Gebet vorbringen. Danach aßen sie gemeinsam ein Salatbuffet. Schockiert zeigen sich Jana, Mara und Lea als sie davon erzählen, wie sie von einer Beschneidung 10-14-jähriger Mädchen in den Bergen erfuhren. Ganz unvoreingenommen gingen sie zu einem rituellen Tanz dieser Mädchen und fragten nach dessen Bedeutung. Elisa und Johanna besuchten einen Hair-Salon in einem kleine Haus. Als die Friseurinnen ihre Haare sahen, lachten sie: „Your hair is too soft.“ Aber sie flochten ihnen dennoch für wenig Geld viele kleine Zöpfe African Style. Einen Disco-Besuch konnten Leah, Joanna, Timo, Florian und Tobias erleben. „Wenn ihr belästigt werdet, kommt zu mir. Ich regle das“, meinte der Besitzer. Dennoch konnten sie sich vor Angeboten für ein Date und eine spätere Hochzeit nicht retten, auch die Jungs nicht. Die Zeit drängt und die Verabschiedungen haben länger gedauert als gedacht. Auf dem Parkplatz vor dem großen Spar-Supermarkt machen die Teamer noch eine Einkaufsliste für unseren Hajk-Großeinkauf. Wieder im Scout-Center sortieren wir unser Gepäck in drei Kategorien: Hajk – Krügerpark - Dalassen. Die Eindrücke der letzten Tage sind so vielfältig und kommen in so schneller Folge. Wir brauchen sicher noch Wochen, um sie zu verarbeiten.


Tagebuch So 11.08.2013 Der Aufstieg zur Maritzbo Hut

Der Morgen beginnt wie immer früh hier in Südafrika. Bongani erzählt uns, dass er im Alltag um 4.00 Uhr aufsteht und schon um 9.00 Uhr ins Bett geht. Um 7.45 Uhr sind wir auf der Straße Richtung Berge. Die meisten im Bus gönnen sich noch eine Mütze voll Schlaf. Frühstück gibt es erst bei der Verladestation des Fanie - Botha - Hikes. Unser übriges Gepäck wird hier in einer Hütte eingelagert und die Busse werden an den Zielort gefahren. Auf der Ladefläche eines Bakkies (Pickup) werden unsere drei Fahrer zurückgebracht. In der winterlichen Sonne (24 Grad) ersteigen wir die ersten Hügel, das Gepäck beginnt zu drücken, Schweißtropfen auf der Stirn. Die Gruppe zieht sich auseinander, die sportlichen gehen wacker voran. Der Weg ist sehr gut mit weißen Fußabdrücken auf grünem Grund ausgeschildert und die Orientierung so kein Problem. Von weitem sieht das Gelände fast wie im Schwarzwald aus. Denn der Bewuchs besteht aus lauter Nadelbäumen. Immer wieder warten die ersten auf die letzten, sodass wir als Gruppe zusammen bleiben. Auf der linken Talseite können wir einen Wasserfall erkennen, der auch in der Trockenzeit noch recht ansehnlich ist. Irgendwann fällt Julia auf, dass schon lange keine Wegzeichen mehr zu sehen waren. An einer Kreuzung halten wir an und studieren unsere Hajkkarte, die aber etwas ungenau gezeichnet ist. Auch die Handykarten werden zu Hilfe genommen. Es ist klar: Die Richtung stimmt, aber welcher Weg ist der richtige? Bongani und Ortwin wandern auf einem der Wege voraus, die nach der Handykarte zur Hütte führen muss. Sven und Tobias gehen ein Stück des Weges zurück, um nach Wegzeichen Ausschau zu halten. Nach längerem Suchen finden sie diese wieder und es zeigt sich, dass es zwei Wege entlang des Baches gibt, die zur Hütte führen. Die Kommunikation mit Bongani und Ortwin gestaltet sich schwierig: kein Netz für die Handys. Nach einer halben bis dreiviertel Stunde erreicht auch die restliche Gruppe die Maritzbo-Hut, die auf einer Wiese an einem bewaldeten Hang liegt. Um die Hütte herum sind ein paar Beete angelegt, es plätschert ein Bach und ein aus Plastikflaschen hergestelltes Flugzeug bewegt sich durch die Wasserkraft im Kreis. Recht idyllisch hier. Die Hütte ist mit einfachen Stockbetten ausgestattet. Daneben stehen noch kleine Holzgrill-Hütten, dessen drei Feuerstellen wir sogleich in Betrieb nehmen. Die Würstchen liegen schnell auf dem Gitterrost, die Hefeteigfladen auch und es ist wohlig warm. Zeit zu entspannen, zu essen und früh in die Schlafsäcke zu kriechen. Es ist 20.30 Uhr und alles schläft. Tobi geht es leider nicht so gut. Er leidet an einem Magen – Darm – Infekt.


Tagebuch Mo 12.08.2013 Höhenmeter: 700m Strecke: 13km

Der erste Hajk-Tag sollte nur der Vorgeschmack auf den Kommenden sein. Unserem Rhythmus folgend stehen wir früh auf, frühstücken am Lagerfeuer und schultern unsere schweren Rucksäcke mit Proviant und Wasser, dass wir am Vortag noch mit Tropfen desinfiziert haben. Der Pfad führt durch einen dichten Wald mit Lianen und Felsen einem Bach folgend mehr oder weniger steil bergan. Bis auf ein paar Vögel haben wir noch keine Tiere gesehen. Am ersten Wasserfall rasten wir nur kurz. Ein paar von uns folgen dem Pfad zu dem Pool, in den sich das Wasser ergießt. Der Schatten lässt uns frösteln. Die ersten Schritte nach einer Pause sind immer mühsam bis wir den Rythmus wieder gefunden haben, weiter durch den südafrikanischen „Dschungel“. Der steinige treppenartige Weg macht Mühe, da die Schritte immer wieder sorgfältig gesetzt werden müssen, um nicht auf einem der Steine abzugleiten. Weiter oben haben wir einen weiteren Blick auf den Wasserfall und können sehen, wie er in die Tiefe rauscht. Kekse überwinden den ersten Hunger. An den Chockstone Falls setzen wir uns auf wasserumflossene Steine und machen unser Gepäck leichter, indem wir Äpfel, Karotten, Käse, Wurst und Brot verspeisen. Die Schönheit der Natur entschädigt für die Anstrengung. Oberhalb unseres Rastplatzes bilden die Felsen ein Tor und die Sonne scheint durch das Laub. Wir bekommen eine Ahnung, dass der Gipfel nicht mehr weit sein kann. Aber der Eindruck täuscht. Auf einem Grat mitten im Wald folgen wir der Höhe und ein letzter Anstieg führt uns aus dem Wald heraus. Die Wasserflaschen an den Lippen genießen wir die Aussicht. Es bleibt aber noch die Hälfte des Weges, Gott sei Dank auf der Hochebene. Die Sonne steht schon tief über den Hügeln und färbt die nun unbewaldete Fläche in einen goldenen Schein. Vor Sonnenuntergang werden wir es wohl nicht mehr bis zur Hütte schaffen. Als wir dort ankommen hat der „Housekeeper“, ein Arbeiter, der die Hütte in Schuss hält, schon ein Feuer entfacht, worüber wir uns sehr freuen. Während das Küchenteam das Gemüse für das Reis-Curry schneidet und das Kochwasser auf der Feuerstelle brodelt, richten sich die anderen in der Hütte ein. Manche nehmen sogar eine kalte Dusche.


Tagebuch Di 13.08.2013 Die lange Strecke

Heute geht es nur noch leicht bergauf und den Rest der Strecke dann fast alles bergab“, so stellt Sven uns die Route vor, nachdem er mit John dem Housekeeper gesprochen hat. Also erst mal bergauf. Soweit stimmt die Beschreibung. Leider sehen wir immer wieder neue Hügel, die wir passieren müssen. Das kurze Gras, durch das wir laufen, ist größtenteils verbrannt und unsere Waden färben sich langsam rußig-schwarz. Die höchste Stelle muss doch bald erreicht sein. Der Weg scheint endlos anzusteigen. Die ersten der Gruppe müssen immer wieder länger auf den Rest warten bis wir endlich einen Gipfelgrat erreichen. Die Rucksäcke liegen auf dem verbrannten Boden. Vor uns entfaltet sich ein eindrucksvolles Panorama auf beiden Seiten des Berges. Die Berge, grasbewachsene Hügel mit tiefgrünen Tälern, durch die sich Bäche ziehen bis hinunter in die Ebene. Diese Eindrücke entschädigen uns für die Anstrengung. Vor uns liegt die höchste Erhebung mit einem Sendemasten auf dem Gipfel. Handyempfang ist hier also kein Problem. Aber wir haben besseres zu tun, z.B. ein Gruppenbild. So etwas nennt man wohl „Peak Experiences“. Auch Bongani ist beeindruckt. So einen Hajk habe er noch nie unternommen und werde es darum sein Leben lang nicht vergessen. Wir wohl auch nicht. Zwar geht es zwischendurch immer mal wieder auf ebener Strecke weiter, aber der nächste Pass wartet auf uns, die ganzen 17km über. Bei einem Blick auf die Karte registrieren wir, dass es auf der Hütte kein Wasser geben soll, dafür aber mehrere Kilometern davor eine Wasserentnahmestelle. Die Gegend ist von Tälern durchschnitten. Hier muss auch die Quelle des in Südafrika berühmten Blyde River liegen. Und hier beginnt auch das baumbewachsene Tal, dem wir bis zur Hütte folgen müssen. Von der Wasserentnahme keine Spur. Das Bachbett ist ausgetrocknet. Wir müssen es dennoch über diverse Holzbrücken überqueren. Da ein Pfiff aus einer dieser orangenen Kunststoff – Rettungspfeifen und ein Gejohle. Die erste scheinen angekommen zu sein. 20 Minuten später kommen uns Johannes und Florian entgegen: „Es ist nicht mehr weit. Sollen wir eure Rucksäcke nehmen? Und Wasser gibt es auch.“ Erleichterung allerorten. Aber wie schon die ganzen letzten Stunden haben wir uns zu früh gefreut. Die Hütte liegt auf einem kleinen Hügel über dem Tal. Die letzten Meter sind schwer. Aber dann ist es geschafft. Die Tortellini mit Käsesauce sind schnell gemacht und wieder legt sich die Stille früh über der Gruppe. Tobi geht es leider immer noch nicht besser. Wie er das heute geschafft hat, wissen wir nicht. Tobias Stark - Nomen est Omen. Morgen muss er auf jeden Fall zum Arzt. Ein heißer Tee wärmt uns auf, der Schlafsack auch.


Tagebuch Mi 14.08.2013 Krugerpark, wir kommen!

Schwierigkeitsstufe 1 statt 9. Mit Erleichterung nehmen wir den bequemen Weg, der sich durch den Wald zieht und kommen schnell voran. Die Leichtigkeit des Seins überkommt uns und die Kräfte sind wieder da. Unser Toyota – Busse stehen mitten zwischen abgewrackten Lastwagen, einem unbereiften Safari – Landrover und diversen abgestellten Anhängern. Ob unsere Fahrzeuge mittlerweile auch so aussehen? Erfreulicherweise nicht. Unser Plan für den heutigen Tag sieht folgendes vor: Einkaufen in Sabie, Geld holen, zum Arzt gehen, Gepäck abholen, Fahrt zum Balule Satellite Camp im Kruger Nationalpark. Auf dem Handy der Tourismusverwaltung nimmt niemand ab und so wissen wir nicht, wo unser Gepäck gelandet ist. Na ja, fahren wir eben zu unserem Hajk – Startpunkt zurück und schauen, ob es noch in der Hütte liegt. Die Arbeiter erzählen uns, dass sie es ins Büro transferiert haben, um unsere Lebensmittel zu kühlen. Also zurück nach Sabie. Der Zeitplan stimmt schon nicht mehr – diesmal sind die Verhältnisse wirklich südafrikanisch. Wir freuen uns natürlich über den pfleglichen Umgang mit unserem Gepäck, aber später als 18.00 Uhr dürfen wir das Olifants Rest Camp nicht erreichen. Aus den Bergen schlängelt sich die Straße in die Ebene hinab. Vor uns liegen auf einer riesigen Fläche verstreut lauter Ansiedlungen mit den üblichen eingeschossigen Standard-Siedlungs-Häusern auf der einen Seite und halbfertige Rohbauten mit Ziegeldach, Garage und Säulen an den Türen auf der anderen Seite. Kinder kommen gerade aus der Schule, mit blauen, grünen und rötlichen Schuluniformen. An der Straße reiht sich ein Stand an den anderen mit Gemüse und Obst, ab und zu auch einem mit Handwerkskunst. Wie in Sabie merken wir, dass hier ein Tourismus – Gebiet beginnt, auch wenn im Winter fast keine zu sehen sind. Je weiter wir uns dem Park nähern, desto geringer wird die Besiedlungen, es kommen die ersten privaten Game Reserves (Parks) mit ihren komfortablen Lodges. Lange Zäune säumen die Straße und Buschland soweit das Auge reicht. Als wir das Reservierungsgebäude am Eingang des Kruger-Parks am Orpen – Gate betreten, ist uns etwas mulmig. Nach unserem Navi würden wir es gerade so pünktlich zum Torschluss ins Hauptcamp schaffen, zu unserem Camping – Platz nicht. Was wenn sie uns nicht mehr hereinlassen. Aber die freundliche Angestellte hat augenscheinlich kein Problem damit, wir also auch nicht. Give me Five. Nach dem Ausfüllen einiger Listen und dem Erwerb dreier Hochglanz-Hefte geht der Grenzbalken für uns hoch. Jetzt sind wir drin. „Gnus, schau mal Gnus!“ Ein Gekreische erfüllt den Bus und ab da schauen alle nur noch in das Heft, um die verschiedenen Tier zu identifizieren. „Giraffen!“ am Wegesrand lassen sich nicht von 3 Fahrzeugen stören, aus denen eifrig fotografiert wird. Und da: das erste der Big Five genannten Tiere: ein Breitmaul - Nashorn, das friedlich vor sich hin grast. Der Navi hat die Haltezeiten und die 50 km/h Höchstgeschwindigkeit wohl mit kalkuliert, denn wir liegen immer noch in der Zeit. Die Sonnen sinkt über dem Busch. Bilder, wie wir sie nur aus Naturdokumentationen kennen. 17.59 Uhr fahren wir durch das Camp-Tor, das extra für uns geöffnet wird. An der Rezeption können sie es nicht glauben, dass wir noch zum Zeltplatz möchten. „Ihr könnt da im Dunkeln nicht allein hinfahren.“ Die Eskorte kostet 200 Rand, also etwa 18 Euro. Das ist zu verkraften und eigentlich schon die erste spannende Safari über die Schotterpisten. „Habt ihre eine Panne gehabt?“, fragen besorgte oder verwunderte Nachbarn. Sie können nicht sehr erfreut sein, dass wir so spät noch unsere Heringe in den harten Boden schlagen. Ein Mädchen – ein Jungen – Zelt im Militärstil mit hohen Seitenwänden und einer 3m Mittelstange. Wir passen uns an die Verhältnisse an. Der Zaun, der mit Strom gesichert ist, trennt uns von der Wildnis, und sie ist so nah.


Tagebuch Do 15.08.2013 Die Big Five

Der Morgen dämmert. Wir stehen in dem überdachten Küchengebäude im Rundhaus - Stil und frühstücken Kekse und Äpfel. Das Camp – Tor öffnet sich und ein olivfarbener Isuzu - Lastwagen mit offenen, erhöhten und überdachten Sitzflächen hinter der Fahrerkabine rumpelt auf das Zeltplatzgelände. 18 aus unser Gruppe steigen ein und nehmen sich gleich die bereitliegenden Wolldecken, denn es ist noch empfindlich kalt. Er folgt einem Seitenweg zu einer aufgestauten Wasserstelle, in der einige Flusspferde „baden“ und seltsame Geräusche von sich geben. Giraffen, Impalas und einige Warzenschweine finden sich am Straßenrand, aber es ist einfach so kalt. Etwas enttäuscht von der Tour (wo waren die Big Five: Leopard, Löwe, Büffel, Nashorn, Elefant?) erreichen wir den Zeltplatz. Der Fahrer hat auch nur die Hauptrouten genommen und nicht irgendwelche abseitigen 4WD – Strecken. Auf zwei Tischen im Küchenhaus liegt das Frühstück ausgebreitet. Der Kaffee steht bereit. Johanna und Elisa erzählen, dass sich schon eine Horde Affen daran bedient hat und sie die Lebensmittel bewachen mussten. Um uns herum stehen Allrad-Fahrzeuge meistens deutsche Marken mit Wohnwagen oder Camping – Anhänger. Die Besitzer: alle weiß, wohlhabend und über 50, aber sehr freundlich. Sie geben uns den Tipp, auch die Wertsachen im Bus zu lagern. Affen können Reißverschlüsse öffnen. Das Schöne am Krugerpark ist, dass auch eigene Touren unternommen werden können. Eine kleine Gruppe (Leah, Carlotta, Phil, Johanna, Elisa und Ortwin) macht sich im Bus auf den Weg. Aussteigen ist natürlich verboten. Die Schotterpiste folgt einem Flusslauf vom Olifant – River nach Süden. Die Vegetation wechselt zu kleinen buschartigen Bäumen voller orangefarbener und grüner Blätter. Auf größeren freien Plätzen sehen wir Elefanten – Dung, wie ein Ranger uns später erklärt: hell, groß und mit viel unverdautem Pflanzenanteil. Giraffen laufen über die Fahrbahn und knabbern an dornigen Bäumen. Wir sind mitten im Tierreich angekommen. Der Flusslauf hat breite sandige Ufer, das Wasser verkommt zu einem Rinnsal. Halbzeit, wir müssen zurück. Auf der Strecke steht ein weißer Kleinwagen, ein Anzeichen dafür, dass es etwas zu sehen gibt. Vollbremsung. Wir stehen mitten in einer Elefanten – Herde, die links und rechts die Blätter verspeisen. Eine Elefanten – Kuh wendet sich uns zu und stellt die Ohren auf. Motor aus, keine Geräusche machen und die Situation ist entspannt. „Schau mal Baby – Elefanten!“ Die lassen sich nicht stören, heben sogar ihren Rüssel einige Male in unsere Richtung. Welch ein Glück wir haben, wie glücklich wir sind. Alles so nah! Nachdem die Herde sich weiter in den Busch verzieht, bleibt uns der Rückweg. Die anderen sind schon etwas neidisch auf uns. Wir geben ihnen genaue Informationen über den Standort und so versuchen sie es auch auf eigenen Faust. Es geht also besser als bei einem geführten Sunrise – Drive. Auch ihnen begegnen die Elefanten. Auf ihrer Route liegt ein Wasserloch, indem sich die Flusspferde wälzen und die Krokodile träge am Strand faulenzen. Ihre zackiger Rücken hebt sich deutlich ab. Um 15.30 Uhr wird unsere Sechser – Kleingruppe von einem Geländewagen mit Open-Air-Rückbänken abgeholt. Die Ranger fahren uns zu der Stelle, wo der Mountain – Bike – Trail beginnt. Wieder Fahrzeuge am Straßenrand. Ein seltsames Bild ergibt sich. Ein ausgewachsener Adler hält am Straßenrand einen Leguan als Beute in seine Klauen. Selbst der Ranger zückt sein Handy „ That's unique, I've never seen before.“ Im Gebüsch auf der linken Wegseite drängt sich eine Büffelherde mit mindestens 50 Tieren unruhig zwischen den Büschen. Am Zielort folgen Einweisungen, Helme anziehen, Sättel verstellen, Luft aufpumpen und so folgen wir den beiden wohlbeleibten Rangern. Eine so sportliche Anstrengung kann es wohl nicht werden. Auf Off-Road – Wegen durch mehrere Wasserfurten kommen wir an das Ufer des Olifant – River und sehen noch die Spuren der Flut, die im Februar hier gewütet hat. Auf der anderen Flussseite, trinken eine Elefantenherde das Wasser oder spritzen sich damit nass. Die untergehende Sonne spiegelt sich darin. Wir müssen zurück, bevor es dunkel wird. „You feel, ok?“ Immer wieder die besorgte Frage eines Rangers. Jetzt radeln wir auf einem schmalen Pfad quer durch den Busch, den Sonnenuntergang im Rücken. Die Scheinwerfer des Geländewagens erleuchten auf der Rückfahrt die Straße, als der Ranger plötzlich stoppt. „Was für ein Tier steht dort am Brückenrand?" Mit dem Fernglas können wir es erkennen. Ein Leopard mit seinem gescheckten Fell. Er blickt in unsere Richtung, erhebt sich, läuft über die Straße und mit einem Satz springt er über die Böschung. Mit majestätischem Gang verschwindet er zwischen den Büschen, verfolgt von dem Handscheinwerfer unseres Allrads. Wir können unser Glück kaum fassen. Vier der Big Five haben wir schon gesehen, an einem Tag im Kruger – Nationalpark.


Tagebuch Fr 16.08.2013 Löwen und ein offizieller Braii

Sven braut sich wieder als erster seinen Espresso mit seiner exklusiven Camping-Espresso-Maschine. Danach: Packen, Zeltabbau und: „Schaut mal da eine Herde Elefanten direkt vor dem Zaun.“ Gestern haben wir sie noch intensiv gesucht (und auch gefunden). Heute kommen sie zu uns und wollen uns „Auf Wiedersehen“ sagen. Afrika ist einfach mysteriös. Einer unserer Nachbarn, ein älterer Mann, kommt noch auf uns zu: Ich habe auch als Pädagoge gearbeitet und muss sagen: „Eure Gruppe ist einfach toll, freundlich, höflich und mit gutem Benehmen, Respekt!“ "Ja, wir sind halt Scouts", war unsere Antwort. Bei der Fahrt durch das Tor halten wir noch bei der Herde und betrachten die kleinen und großen Dickhäuter beim Grasen, nehmen den Eindruck noch mal ganz in uns auf. Auf der Strecke sehen wir 6-7 Fahrzeuge am Rand stehen, ein eindeutiges Zeichen. Es gibt etwas wirklich interessantes zu sehen. Sven informiert uns durch das Funkgerät: „Löwen“. Wir fahren näher heran und da liegen sie faul unter einem Baum. Zwei Weibchen und zwei Männchen mit ihren mächtigen Mähnen schauen gelangweilt in unsere Richtung. Mit dem Fernglas sind sie deutlich zu sehen. Alle im Bus wollen natürlich einen Blick darauf werfen und so positionieren wir die Busse noch etwas besser in die zweite Reihe. Wir haben sie jetzt - die Big Five, zumindest ein Teil der Gruppe. Vor dem Parkausgang gibt es noch einen Halt für Souvenirs und Kaffee (oder Tee) für die Fahrer. Dann ist auch der Kruger-Park nur noch Erinnerung. Im Scout-Center in Nelspruit erwartet uns ein Braii (Grillabend) mit den Offiziellen des Pfadfinderverbands in Mpumalanga. Wir sitzen um die runden Tische, die Mitarbeitenden werden vorgestellt und wir bekommen nach ein paar Reden die Halstücher der Provinz verliehen. Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft und überreichen Leonie, der Freiwilligen aus Deutschland, einen B.P. - Becher und eine Müslischale. Ortwin legt Bongani das Halstuch des deutschen Dachverbands rdp um. Der Abend neigt sich mit Gesprächen und Abschieden dem Ende zu.


Tagebuch Sa 17.08.2013 Die Mautstraße und eine schwerbewachte Raststätte

Die Abreise verzögert sich, da wir die während der letzten Wochen auf einem Laptop gesammelten Fotos noch auf zwei USB-Sticks ziehen müssen. Bei den Datenmengen dauert das fast zwei Stunden. Dabei bleibt noch Zeit das Tagebuch zu aktualisieren und die letzten Tage nachzutragen. Währenddessen tagt im Versammlungsraum die Provinzversammlung der SSA Mpumalanga. Sven kommt noch auf die gute Idee, die Busse schon mal abzuspritzen und von dem größten Dreck zu säubern. Die Fahrt nach Johannesburg verläuft auf einer gut ausgebauten Mautstraße durch flaches Farmland mit wenig Besiedlung. Wenn es grüner wäre, sähe es hier aus wie in Norddeutschland. An einer Raststätte legen wir eine Pause ein. Auf dem Parkplatz stehen viele deutsche Fahrzeuge: Audis, Mercedes, VW's und ein paar Japaner. Die Mautstraße kann sich eben nicht jeder leisten, vereinzelt ein paar Minibusse. Vor dem Gebäude, das an gut ausgestattete Raststätten bei uns erinnert, patrouillieren Security-Mitarbeiter in oliv mit Pumpguns ausgerüstet. Wohlstand muss gut bewacht werden und überall Schilder mit der Warnung, die Fahrzeuge abzuschließen. Auf dem Männer-WC erwartet die Jungs eine Überraschung. Ein großes Panorama-Fenster zeigt auf das Gelände dahinter, dass als Gehege gestaltet ist. Da tummeln sich um eine Wasserstelle Rhinos mit abgesägten Hörnern, Büffel, Nilpferde und Impalas. Aber im Vergleich zum Krugerpark sieht alles etwas ärmlich aus. Ein inszeniertes Stück Afrika für die Durchreisenden. Um uns die Zeit zu vertreiben hören wir Hörbücher im Auto bis die Silhouette von Joburg erscheint, die Hochhäuser der Banken und Minengesellschaften fast wie in Frankfurt. Über die vielbefahrende Umgehungsstraße erreichen wir die nördlichen Vororte, die hauptsächlich von wohlhabenden Menschen (vermutlich weiß) bevölkert werden. Die Ein- und Zweifamilienhäuser werden durch hohe Mauern mit Stacheldraht gesichert. Überall an den Toren hängen Schilder von verschiedenen Sicherheitsfirmen. Ein schwarzer Bakkie (Pickup) mit der Aufschrift „Tactical Unit“ mit zwei Sicherheitsleuten des von den Bewohnern selbst organisierten Sicherheitsdienstes CAP patrouilliert in der Straße. Wir passieren ein Wachhäuschen. Vor uns liegt ganz idyllisch der Delta-Park mit dem Gelände der Girl Guides (Pfadfinderinnen-Verband) Das Tor ist geschlossen. Wir rufen Lesley eine älterem Dame an. 10 Minuten später fährt sie mit ihrem weißen Audi vor, lässt uns ein und zeigt uns das Haus und das Gelände. Schön ist es hier, kein Schimmer von einer Großstadt. Wiesen, Baumhäuser, Fahnenstangen, weiße Steinbänke und ein längliches einstöckiges Haus. Hier verbringen wir also unsere letzten Abende in Südafrika. Die Matratzen sind schnell auf dem Boden verteilt. Die letzten Vorräte und unsere Fertignudelgerichte, die wir als Notmahlzeit immer dabei hatten, werden noch zu einem Abendessen zusammengestellt. Die Stimmung ist gelöst, es riecht nach Kissenschlacht.


Tagebuch So 18.08.2013 Joburg als Touristen

Ein Reisebus von Vhupo-Tours holt uns zu einer Soweto-Rund-Tour inklusive Apartheid-Museum im Delta-Park ab. Die Fahrer freuen sich, dass sie mal nicht am Steuer sitzen. Aber es ist doch etwas fremd, da wir bisher alles selbst oder mit unserer Partnergruppe organisiert hatten. Um zu den South Western Townships zu gelangen, werden wir durch die ganze Innenstadt kutschiert. Der Reiseführer erzählt etwas von der Geschichte der Stadt als Boomtown der Goldgewinnung, von Fördertürmen, großen Minengesellschaften, billigen Arbeitskräften, die von weit her in die Stadt kamen. In Hillbrow wohnt eine aus verschiedensten vor allem afrikanischen Nationen zusammengewürfelte Bevölkerung. Die Häuser sind renovierungsbedürftig mit einzelnen Ruinen und das in der Innenstadt. Der alte viktorianische Bahnhof steht ganz verlassen da, eingezäunt als „Sehenswürdigkeit“ einer vergangenen Epoche. Nahe dem Market-Theatre bauen Arbeiter Zelte und Bühnen für das bald stattfindende Jazz-Festival auf. Dann die glitzernden Hochhäuser der Minengesellschaften. Im Südwesten folgen die weiten Flächen der Townships mit ganz unterschiedlichen Bebauungen, Einfamilienhäuser, Matchbox-Häuser des staatlichen Besiedlungsprogramms und die alten Hostels für die Arbeiter der Minen, die auch heute noch ohne fließend Wasser und Toiletten auskommen müssen. Die Stadt stellt zentrale Wasserentnahmestellen und Dixiklos oder Plumpsklos zur Verfügung, die staatlich garantierte Infrastruktur. Um Strom zu nutzen, zapfen die Bewohner Straßenlaternen an, so sie noch funktionieren. Vor einer Wellblechsiedlung hält der Bus und wir besichtigen die Armut mit einem einheimischen Guide, der gerne auch noch ein Extra-Trinkgeld entgegen nimmt. Kinder begleiten uns. Nach drei Fragen kommen sie zu dem eigentlichen Grund: Sie bitten uns um Geld, das wir ihnen aber verweigern. Gegen ein Trinkgeld können wir auch eine der Blechhütten besichtigen: Wir fühlen uns wie die reichen Westtouristen beim Besuch im Armen-Zoo. Das hätten wir uns eigentlich gerne erspart. Diese Tour passt einfach nicht zu dem, was wir bisher erlebt haben. Aber wir können uns vorstellen, mit welchem Bild die „normalen Touristen“ wieder in ihrer Heimatländer zurückfahren. Das Programm – eine Fehlentscheidung! Vor dem Haus von Nelson Mandela (das er gar nicht mehr bewohnt) stehen viele Stände mit Souvenirs. Der Guide erzählt uns, dass die internationalen Fernsehsender schon die ganzen Hostels in der Nähe gebucht haben, vor allem diejenigen mit Blick auf das Mandela-Haus. Es könnte ja sein, dass er bald stirbt. Dann wird die Straße zum Drehort. Wir beenden die Fahrt mit einem Besuch des Apartheid-Museums. Die Eintrittskarten teilen uns in zwei Gruppen ein: Weiße und Nicht-Weiße mit getrennten Eingängen. Die Filme, Schautafeln und Objekte (z.B. Mannschaftstransporter der Polizei) vermitteln noch einmal ein zusammenhängendes Bild der Zeit der Apartheid, ihrer Brutalität und den Widerstandsformen. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug. Trotz der vielen Informationen sind wir uns einig. Das war das beste an der ganzen Soweto-Tour. Nach einer Reflexion der gesamten Reise begeben wir uns in das stylische Restaurant Moyo mit afrikanischer Speisekarte. Eine festlich gedeckte Tafel in dem abgedunkelten mit lotusförmigen Lampen spärlich beleuchteten Raum erwartet uns. Ein Mitarbeiter bemalt Gesichter mit weißen Grafiken. Das Essen wird á la Carte serviert: Fisch, verschiedene Fleischsorten, Wraps, Gemüse in würzigen Saucen und als Nachtisch Schokoladentorte, Eis... „So gut habe ich schon lange nicht mehr gegessen“, meint Leah. Ein perfekter Abschluss für unsere Fahrt.


Tagebuch Mo 19.08.2013 Business – Class für die Teamer

Mit dem Staubsauger aus der Guide – Hall reinigen wir den Innenraum der Busse. Pünktlich um 8.30 Uhr stehen wir abfahrbereit vor den Toyotas. Lesley verabschiedet sich ganz pfadimäßig von uns. Überall, wo wir zu anderen Pfadfinderinnen und Pfadfindern kommen, ist die Aufnahme herzlich mit dem Wunsch eigentlich mehr Zeit miteinander zu verbringen. Nachdem am Terminal alles Gepäck ausgeladen ist, müssen wir noch die Minibusse abgeben. Pech, dass der 14-Sitzer nicht durch die Höhenbeschränkung des Parkhauses passt. Fragen an das umstehende Sicherheitspersonal bringt keine Lösung. So stehen wir zum zweiten Mal vor der Einfahrt. Noch eine Runde. Ein Polizist erbarmt sich, steigt in unser Fahrzeug ein und gibt uns die Information, dass wir es einfach in der Hoteleinfahrt des Intercontinental stehen lassen sollen. Die Autovermietung würde es dann holen. Als wir es dem Mitarbeiter von „Thrifty“ erklären, rennt er los, wir hinterher. Es könnte ein Trick sein, um das Fahrzeug abzuschleppen. Aber es steht noch unberührt am Ort. Wir hatten uns auf eine 1-stündige Prozedur eingestellt, aber die Rückgabe erfolgt schnell und unproblematisch. Alles ok. Noch ein Protokoll wegen des Unfalls, basta. Erlöst treffen Sven, Johannes und Ortwin bei der Gruppe ein. Südafrikanische Organisation am letzten Tag war wohl noch notwendig. Durch einen Fehler des Reisebüros können unsere Teamer Business-Class fliegen und testen schon mal die Lounge der Emirates-Fluglinie, einem hotelartigen Aufenthaltsbereich mit reichlich Verpflegung, Getränken, Zeitungen... Es bleibt sogar Zeit, noch Souvenirs zu kaufen. Gemeinsam checken wir ein und gehen an Bord. Business – Class bedeutet ein Sitz mit viel Fußraum, sodass sogar eine richtige Schlafposition möglich ist, eine persönliche Begrüßung durch die Stewardess mit einem Glas Champagner oder Saft und ein größerer Bildschirm. Ortwin schaut im Gedränge nach unserer Gruppe. Wir sitzen alle nebeneinander, Plätze werden Pärchen-gerecht getauscht. Uns geht es gut. Der Flug in den Abend zeigt uns ein wunderbares Naturschauspiel. Über den Wolken erhebt sich als schwarzer Kegel der Mount Kenya. Die untergehende Sonne färbt den Himmel in orange, blaue, schwarze Töne, davor ein Meer aus sich vom grauen Untergrund abhebenden Wölkchen. Eine surreale Szenerie, die so leider nicht von der Digitalkamera eingefangen werden kann. Flug bleibt Flug, auch in der Business – Class: Videos schauen, schlafen, essen, trinken. Um uns zu unterhalten, sind wir zu müde. Die großen Sitze laden auch nicht dazu ein.


Tagebuch Di 20.08.2013 Die Bahn wird ihrem Ruf gerecht

Der Kontrast von Johannesburg und Dubai ist schon gewaltig, auch auf dem Airport. Dort noch Souvenir-Shops und Outdoor-Läden, hier hochpreisige Uhren und Schmuck. Alles wirkt super sauber, aber auch künstlich und steril. Wir schlendern noch etwas durch die Einkaufsstraße und legen uns dann auf den Boden. Ruhe, schlafen auch beim zweiten Teil des Rückflugs. Frankfurt empfängt uns mit einer dichten Wolkendecke, die Kontrollen sind für uns schon Routine. Da sind wir wieder. Johanna und Elisa werden direkt am Flughafen abgeholt, sodass wir uns schon hier verabschieden. Bei unserem Schlusskreis mit „Nehmt Abschied Brüder“ schauen Passanten interessiert in unsere Richtung. „Was sind denn das für Leute?“ Wie nicht anders zu erwarten verspätet sich unser ICE um fast eine halbe Stunde. Vielleicht hätten wir ja noch den vorgehenden Zug erwischt, der auch nicht pünktlich abfuhr. Den Anschlusszug in Mannheim verpassen wir natürlich auch. Alle Züge fuhren wohl über Mainz mit seinem Stellwerk-Chaos. Aber jetzt kommt es auch nicht mehr darauf an. Immerhin haben wir immer genügend Platz für uns und unsere riesigen Rucksäcke. Im Gedränge verabschieden wir uns nach und nach. Es ist Zeit, anzukommen, auszuschlafen, Pizza zu essen und sich nach Südafrika zurück zu sehnen.

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