Siyafundsisana

Und wir haben von einander gelernt

Pfadfinderinnen und Pfadfinder verbringen ihre Zeit nicht nur damit in heimischen Wäldern Lager aufzuschlagen. Sie wollen Freundschaften schließen und Neues kennen lernen, Vorurteile überwinden, indem sie sich selbst ein Bild machen. Statt sich in unserer Mediengesellschaft nur berieseln zu lassen, werden sie selbst aktiv.

Getreu dieser Ansprüche machten sich siebzehn Pfadfinderinnen und Pfadfinder des VCP Land Baden auf die Reise in das südlichste Land des afrikanischen Kontinents. Drei Wochen reisten wir einmal quer durch Südafrika, von Kapstadt bis Swaziland und noch weiter. Wir ruhten nicht ehe wir gesehen und erfahren hatten, was man in so kurzer Zeit in einem fremden Land sehen und erfahren kann. In drei Vortreffen in Deutschland hatten wir unsere Ziele für das Programm der Reise ausgetüftelt. Drei Schwerpunkte waren uns wichtig: 1. Wir wollten die Menschen treffen und mit ihnen reden, 2. wir wollten einen südafrikanischen Pfadfinderstamm mit Spenden und Mitanpacken vor Ort unterstützen, 3. wir wollten die Natur Südafrikas kennenlernen. Unser Reiselogo wurde Siyafundsisana, das ist Kisuati und bedeutet: wir lernen von einander.

Stephan Klatt hatte bereits ein halbes Jahr in Südafrika als Freiwilliger bei Pfadfindern gearbeitet. Es war seine Idee noch anderen Pfadfinderinnen und Pfadfindern dieses Land zu zeigen und die Freundschaft zwischen südafrikanischen und deutschen Pfadfinderinnen und Pfadfindern zu vertiefen. Dank seinen Kontakten war es möglich von Deutschland aus ein komplettes Programm zu planen.

So konnten wir beispielsweise eine Grundschule eines Colored Townships in Kapstadt zu besuchen. In Südafrika - gerade in der Region um Kapstadt - wird noch stark zwischen Weißen, Schwarzen und Coloreds unterschieden. Mit den sechs bis zwölf Jahre alten Kinder Übten wir ein leichtes deutsches Lied ein, wir erzählten von Deutschland und beantworteten ihre Fragen. Die Lehrerinnen und Lehrer der Schule erläuterten und später ihre Programme, die sie neben dem normalen Schulunterricht unterhalten. Sie erklärten uns, dass sie unterrichten und gleichzeitig Sozialarbeit leisten müssen. Die Kinder kommen meist aus armen Familie, oft sind die Eltern geschieden. Aber auch die Gesundheit der Kinder zu überwachen wird zur Aufgabe der Lehrerkräfte. Häufig kommen Kinder in die Schule ohne gefrühstückt zu haben. Die Schule hat deswegen eine provisorische Küche eingerichtet, um den Kindern ein Essen anbieten zu können. Die vorhandene Küche ist wirklich nur eine Übergangslösung. Deshalb haben wir eine neue Küche als ein mögliches neues Projekt für uns in Erwägung gezogen.

Einige Tage später und 1500 km Luftlinie entfernt, waren wir mit drei gemieteten Autos in Nelspruit/Mpumalanga unweit der Grenze zu Swaziland angekommen. Hier sollten wir eine Woche im Pfadiheim von 1st Mataffin wohnen. 1st Mataffin ist ein Vorort von Nelspruit, in dem ausschließlich schwarze Südafrikaner zum Teil ohne Strom in einfachen Häusern oder auch Hütten leben.

Unsere Aufgabe vor Ort war es nun zusammen mit vier Pfadfindern des Pfadfinderstamms 1st Mataffin die Duschen an das Pfadiheim anzubauen. Die Duschen werden gebraucht, da dort ein großes Lager stattfinden soll, dass aber nur genehmigt wird, wenn Duschmöglichkeiten vorhanden sind. Mit bereits in Deutschland gesammelten Spenden finanzierten wir das Baumaterial und mit vereinten Kräften mauerten südafrikanische und deutsche Pfadfinderinnen und Pfadfinder eine Woche lang, um das Lager möglich zu machen. Für uns wurde ein Kennenlernabend mit allen Pfadfinderinnen und Pfadfindern von 1st Mataffin organisiert, der uns sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Auch der Abschiedsabend, an dem es südafrikanische und deutsche Gerichte gab, bei denen die Mütter mitgeholfen hatten, hat uns die Gastfreundschaft und Herzlichkeit mit der wir aufgenommen worden waren noch einmal bewiesen. Mit Sicherheit haben wir Freundschaft geschlossen und viel voneinander gelernt. Die Südafrikaner haben es uns nicht schwer gemacht. Wir haben mit ihnen nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert, getanzt und gesungen. Es war für beide Seiten eine schöne Zeit. Besonders unsere vier Helfer haben wir ins Herz geschlossen.

Wenn man viel erlebt geht die Zeit am schnellsten vorüber und so brach auch schon die dritte Woche an, die wir der Natur Südafrikas widmen wollten. Alles wurde wieder in die Autos gepackt und es ging weiter ins Königreich Swaziland, wo wir für die restlichen Tage in einem Naturpark etwas über die Pflanzen- aber vor allem Tierwelt des Südens des afrikanischen Kontinents lernen wollten. Wir wurden nicht enttäuscht. Nashörner und Impalas waren schon bald ein gewohnter Anblick. Aber auch die scheuen Elefanten und Löwen konnten wir beobachten.

Fassen wir es kurz, obwohl noch viel mehr zu erzählen wäre. Wir haben ein wunderschönes Land gesehen, von der rauen und kalten Küste Kapstadts durch das Gebirge auf die Hochebene, wo kilometerweit nichts war bis zu den unglaublichen Felsformationen in Mpumalanga. Wir haben wunderbare Menschen getroffen, die mit Lebensfreude und Zuversicht ihr nicht einfaches Leben in einer jungen Demokratie meistern ohne dass auch nur ein Hauch von Hass auf beiden Seiten zu spüren war. Es gibt noch eine riesige Kluft zwischen arm und reich, aber trotz der vorhandener und problematischer Kriminalität und Korruption leben die Menschen verschiedener Hautfarben und Herkunft friedlich zusammen. Eine Leistung die in unserer Welt und auf dem afrikanischen Kontinent bemerkenswert ist und leider viel zu selten in der westlichen Öffentlichkeit wahrgenommen wird.

Dank dem Engagement unserer Teamleiter Stephan Klatt und Anne Kunze haben wir es geschafft in diesen drei Wochen unser ehrgeiziges Programm zu verwirklichen und einen vielseitigen Blick auf dieses Land werfen können, wie es sich wohl kaum einem durchschnittlichen Touristen eröffnen wird. Wir wissen, dass wir längst nicht alles gesehen haben, den die Zeit, die man braucht ein Land wirklich zu begreifen ist lang, aber wir sind ein ganzes Stück reicher wieder nach Hause gefahren. Afrika lässt uns jetzt schon nicht mehr los. Wir werden uns die Verbindungen nicht abreißen lassen, denn in einem waren wir uns einig, es war eine wunderbare Zeit und wir werden versuchen wiederzukommen.

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